Raketeneinschlag in Klinik: Proteste in muslimischer Welt

Menschen versammeln sich aus Solidarität mit den Palästinensern vor dem israelischen Konsulat in Istanbul. (Foto: Emrah Gurel/AP/dpa)

Gaza/Tel Aviv. Nach einem Raketeneinschlag in einem Krankenhaus im Gazastreifen mit zahlreichen Opfern ist es in mehreren muslimisch geprägten Ländern zu spontanen Protesten gekommen. In Amman versuchten Demonstranten zur israelischen Botschaft zu gelangen, wie die jordanische Nachrichtenagentur Petra meldete. Berichte über die Stürmung des Gebäudes wiesen jordanische Sicherheitskreise den Angaben nach zurück. Die Demonstranten seien aus dem Bereich entfernt worden. Videos in den sozialen Medien zeigten, wie sie «zur Botschaft» riefen. Weiterlesen

Philippinen werfen China «aggressive Taktiken» vor

Manila (dpa) – Die Spannungen im Streit um ein rohstoffreiches und strategisch wichtiges Seegebiet zwischen China und den Philippinen halten an. Mehr als 100 chinesische Schiffe seien in der vergangenen Woche im Südchinesischen Meer gewesen, hätten Patrouilleboote der philippinischen Küstenwache blockiert und teils «gefährliche Manöver» ausgeführt, erklärte der Küstenschutz des Inselstaats am Freitag. Weiterlesen

Moskau wirbt Kämpfer, Kiew ringt um Verteidiger

Von Ulf Mauder und Andreas Stein, dpa

Moskau/Kiew (dpa) – Auf Moskaus Straßen gibt es kaum noch ein Entrinnen vor den Häschern des russischen Militärs. An Geschäften und Hausfassaden kleben Flugblätter, es gibt Informationsstände vor Metrostationen und Infomobile – alles Werbung für einen Einsatz im Kriegsgebiet in der Ukraine. «Unser Beruf ist es, die Heimat zu verteidigen», steht etwa auf einem vielfach verteilten und verklebten Poster mit Soldaten samt Telefonnummer 117, die zum Vertrag für einen freiwilligen Dienst an der Front führt. 400.000 Kämpfer will Russland so für seinen verlustreichen Krieg gewinnen.

Zwar muss nicht Russland sich verteidigen, sondern die von Moskau angegriffene Ukraine. Aber Moskaus Staatspropaganda hat den blutigen Überfall auf das Nachbarland, den Kremlchef Wladimir Putin vor rund 14 Monaten anordnete, längst umgedeutet in einen Krieg mit dem Westen. Bei vielen Russen verfängt die durch nichts belegte Erzählung Putins, der Westen mit den USA und ihrem Militärblock Nato an der Spitze ziele auf eine Zerstückelung des flächenmäßig größten Landes ab, um an seine Rohstoffe zu kommen. Die Ukraine ist demnach nur ein Schlachtfeld, auf dem dieser Kampf derzeit ausgetragen wird.

Noch im September musste der Staatsapparat viele Reservisten mithilfe einer chaotischen und vielfach kritisierten Mobilmachung zum Dienst an der Front oft regelrecht prügeln. Nun lockt er mit vergleichsweise lukrativem Sold, der um ein Vielfaches über dem Durchschnittseinkommen liegt. Um das Anwerben von Freiwilligen ist zudem ein Konkurrenzkampf zwischen der Privatarmee Wagner und dem Verteidigungsministerium entbrannt.

Gesellschaftlicher Druck auf Russen für Kriegseinsatz

Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin hat Dutzende Anwerbepunkte im Land eingerichtet. Erfahrung ist nicht nötig. Und er bietet einen höheren Grundsold als das Verteidigungsministerium von 240.000 Rubel (rund 2700 Euro) monatlich. Der Vertraute von Putin verspricht Erfolgsprämien, moderne Kampfuniformen, die beste Ausrüstung und Bewaffnung sowie eine Kranken- und Lebensversicherung und eine Vorbereitung durch hoch qualifizierte Ausbilder.

Inzwischen sehen sich russische Männer zunehmend gedrängt zum «freiwilligen Kriegsdienst». Das Staatsfernsehen präsentiert etwa in langen Reportagen das «Zentrum für die Auswahl von Bürgern für den freiwilligen Militärdienst» in der Jablotschkowa-Straße 5 in Moskau. Der Andrang scheint groß. Männer füllen dort reihenweise Formulare aus – und lassen sich medizinisch durchchecken. Es gebe sehr viele Interessenten, erzählt der Freiwillige Georgi Petrow.

Frauen und Männer sprechen in die Kamera, dass sie die Heimat verteidigen wollen – im Schützengraben oder etwa auch im medizinischen Dienst. Wer keine Arbeit hat – viele Menschen haben wegen der Sanktionen und Firmenschließungen keinen Job mehr -, kann sich auf das gut bezahlte, aber lebensgefährliche Kriegsabenteuer einlassen. Kritiker sprechen von Russisch Roulette. Aber in den sozialen Netzwerken sagen viele, dass ihnen die Aussicht auf etwas Vermögen und das damit verbundene Risiko mehr wert seien, als ein Leben im Nichts.

Putin hat vorgesorgt für ein Scheitern der Werbekampagne

Mit einem Video im Stil eines Actionfilms zieht nun noch das Verteidigungsministerium über einzelne Berufe her und fragt, ob die Männer dort am richtigen Platz seien. Zu sehen sind ein Wachmann in einem Supermarkt, ein Trainer im Fitnessstudio und ein Taxifahrer, die sich mittels Spezialeffekten in Soldaten in Uniform verwandeln. Die Botschaft: «Du bist doch ein Mann!» Offen werden die Männer zum Fronteinsatz aufgerufen. Doch die Versprechungen von Glück in dem Video stehen im Widerspruch zu anderen Clips, in denen Soldaten immer wieder schlechte Ausrüstung, miese Führung und Behandlung beklagen.

Unklar ist bislang, wie gut diese PR-Offensive zieht. Aber Putin hat vorgesorgt. Er unterzeichnete im April ein Gesetz, das den zwangsweisen Einzug von Reservisten deutlich vereinfacht – anders als bei der Mobilmachung von 300.000 Männern im Herbst. Das Gesetz soll auch eine neue Massenflucht von Hunderttausenden Wehrpflichtigen verhindern, weil mit Zustellung des Einberufungsbescheids die Ausreise unmöglich wird.

Kiew will 80.000 Soldaten für Offensive

Die Ukraine dürfen Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren schon seit Kriegsbeginn nicht mehr verlassen – oder nur in Ausnahmefällen. Rund 700.000 Ukrainer sollen bisher bei Armee, Nationalgarde, Grenztruppen und Polizei unter Waffen stehen. Angesichts täglicher Verluste im dreistelligen Bereich brauchen die bewaffneten Kräfte ständig Nachschub. Doch auch ein Sold für Frontsoldaten von umgerechnet 3000 Euro im Monat kann angesichts der blutigen Kriegsrealität nur noch einen Teil der Ukrainer motivieren.

Für die im Mai erwartete Frühjahrsoffensive sollen Medienberichten zufolge zwölf Brigaden von zusätzlich bis zu 80.000 Soldaten vorbereitet werden. Zwar versicherte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Februar erneut, dass Kiew «die Menschen nicht mit Knüppeln in den Krieg jagen» werde. Videos in sozialen Netzwerken etwa aus den Großstädten zeigen hingegen bisweilen ein anderes Bild.

Seit Wochen kursieren Clips, wie vor allem Männer im mittleren Alter von Militärvertretern auf der Straße angehalten, teils unter heftigem Widerstand in Autos gesteckt und davongefahren werden.

Für Aufsehen sorgte der Fall des 33-jährigen Bohdan Pokitko aus dem westukrainischen Ternopil. Ende Januar von der Straße ins Kreiswehrersatzamt gebracht, wurde er am 12. Februar ins Gebiet Donezk verlegt. Vier Tage später war er tot. Die einzige Ausbildung, die er erhalten haben soll, sei das Auseinandernehmen einer Kalaschnikow gewesen, berichteten Medien.

Auch der bei Bachmut kämpfende Soldat Mychajlo Tschoknadij bestätigte im April, seiner Einheit seien völlig unausgebildete Rekruten als Ersatz geschickt worden. «Sie haben noch nie im Leben geschossen und überhaupt keine Ausbildung durchlaufen», sagte er. Nach fünf Tagen Feldlager seien die frisch Mobilisierten sofort an die Front geworfen worden und dabei nicht einmal in der Lage gewesen, die Magazine ihrer Sturmgewehre zu laden. Die Militärführung hingegen betonte, dass kein Soldat ohne das Durchlaufen der Grundausbildung an die Front gelange.

Kiew kämpft gegen Fahnenflucht

Wie viele Russen versuchen auch ukrainische Männer, sich zu Tausenden dem Militärdienst zu entziehen. In Telegramgruppen mit Zehntausenden Teilnehmern warnen sie sich vor Militärpolizisten. Wer Musterungsbescheide ignoriert, riskiert jahrelange Gefängnisstrafen. Diejenigen, die es sich leisten können, versuchen sich mit gefälschten ärztlichen Attesten oder gleich direkt beim Kreiswehrersatzamt gegen Bestechung freizukaufen.

Und immer wieder gibt es Fluchtversuche. Beinahe täglich zeigt der Grenzschutz Bilder von gefassten Flüchtlingen an den Westgrenzen. Gestellt werden Männer in Frauenkleidern, Männer, die sich mit gefälschten Geburtsurkunden für kinderreich ausgeben, Männer, eingewickelt in Teppiche oder versteckt in Kofferräumen.

Für Fluchthelfer ist das ein einträgliches Geschäft. Der Schaffner des täglichen Zuges aus dem südostukrainischen Saporischschja ins polnische Przemysl soll über mehrere Monate für umgerechnet jeweils mehr als 2000 Euro wehrpflichtige Männer in einem speziell hergerichteten Lüftungsschacht außer Landes gebracht haben. Ihm drohen nun zehn Jahre Haft.

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Weitere Waffenruhe im Sudan vereinbart

Khartum (dpa) – Die rivalisierenden Militärblöcke im Sudan haben sich gestern auf eine Verlängerung der Waffenruhe um weitere 72 Stunden geeinigt. Das teilten die an der Vermittlung beteiligten Länder USA und Saudi-Arabien mit. Trotzdem kam es Augenzeugenberichten zufolge weiter zu Kämpfen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, wollen heute in Wunstorf bei Hannover die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in Empfang nehmen, die mehr als 700 Menschen aus dem nordostafrikanischen Land ausgeflogen haben.

Im Sudan kämpft de-facto-Präsident Abdel Fattah al-Burhan mithilfe des Militärs seit dem 15. April gegen seinen Stellvertreter Mohammed Hamdan Daglo. Dieser ist Anführer der einflussreichen paramilitärischen Gruppe Rapid Support Forces (RSF). Die beiden Generäle hatten die Führung des Landes mit rund 46 Millionen Einwohnern durch zwei gemeinsame Militärcoups 2019 und 2021 übernommen. Experten hatten gewarnt, dass der Machtkampf auch weitere regionale Konflikte erneut befeuern könnte. Weiterlesen

Ärzte ohne Grenzen plant Ausweitung der Hilfe für den Sudan

Khartum (dpa) – Angesichts der anhaltenden Gewalt im Sudan plant die Organisation Ärzte ohne Grenzen eine Ausweitung der Hilfe. Notfallteams stünden bereit, in das umkämpfte Land am Horn Afrikas zu reisen, teilte die Organisation mit. Man stehe in engem Kontakt mit Krankenhäusern sowie sudanesischen Gesundheitsbehörden.

Trotz einer Waffenruhe kam es auch in der Nacht in Teilen des Landes erneut zu Gefechten. Bei den Kämpfen, die vor knapp zwei Wochen begannen, kamen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens 460 Menschen ums Leben, fast 4100 wurden verletzt. Die wahre Zahl der Opfer dürfte aber deutlich höher liegen. Weiterlesen

Moskau: Belarussen lernen an taktischen Atomwaffen

Moskau (dpa) – Die russischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben Soldaten aus dem Nachbarland Belarus vor der dort geplanten Stationierung taktischer Atomwaffen an den Raketen ausgebildet. Sie hätten gute Ergebnisse gezeigt, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Mittwoch mit. Das Ministerium veröffentlichte auch ein Video, das das Training auf einem russischen Truppenübungsplatz im Süden des Landes zeigen soll. Zu sehen war demnach der Raketenkomplex vom Typ Iskander-M. Die Raketen können mit konventionellen, aber auch mit Atomsprengköpfen bestückt werden. Weiterlesen

Bundeswehr beendet Evakuierung aus dem Sudan

Berlin/Karthum (dpa) – Die Bundeswehr hat ihre Evakuierungsflüge aus dem umkämpften Sudan vorerst beendet. Ein Sprecher teilte am Mittwoch mit, man habe in den vergangenen Tagen insgesamt mehr als 700 Menschen aus dem Land evakuiert, in dem es seit rund zehn Tagen Kämpfe zwischen dem regulären Militär und paramilitärischen Einheiten gibt.

Zuletzt seien 120 Personen nach Jordanien ausgeflogen worden, ihre Weiterreise nach Deutschland werde vorbereitet, hieß es vom Einsatzführungskommando am Dienstagabend. Die beiden Konfliktparteien missachteten mit ihren Angriffen den Schutz von Zivilisten, kritisierte der deutsche UN-Vermittler Volker Perthes bei einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats in New York.

Für die Evakuierungsmission der Bundeswehr waren zeitweise etwa 1000 Soldaten tätig, nun beginnt die Rückabwicklung des Einsatzes. Soldaten und Material werden rücktransportiert, so dass der Einsatz formal noch nicht abgeschlossen ist. Im Sudan verbliebene Deutsche sollen bei Bedarf in den nächsten Tagen von internationalen Partnern bei deren Flügen mitgenommen werden. Der Anteil Deutscher an den letzten Bundeswehrflügen war nur noch gering. Unter den mehr als 700 von der Luftwaffe Evakuierten waren laut Bundeswehr 197 Deutsche. Insgesamt wurden bislang mehr als 200 Deutsche ausgeflogen, einige wenige auch von den Streitkräften anderer Staaten. Weiterlesen

Drei russische Militärflugzeuge über Ostsee abgefangen

Berlin (dpa) – Kampfjets der deutschen und britischen Luftwaffe haben nach Bundeswehr-Angaben drei russische Aufklärungsflieger im internationalen Luftraum über der Ostsee abgefangen. Demnach handelte es sich um zwei Militärmaschinen vom Typ SU-27 und eine IL-20. Sie seien «erneut ohne Transpondersignal» geflogen und von Eurofightern der beiden Nato-Verbündeten abgefangen worden, teilte die deutsche Luftwaffe über Twitter mit. Weiterlesen

Taliban töten IS-Drahtzieher hinter Anschlag in Kabul

Washington (dpa) – Die afghanischen Taliban sollen den Anführer der IS-Zelle getötet haben, die angeblich für den verheerenden Selbstmordanschlag auf den Flughafen von Kabul im August 2021 verantwortlich ist. Zu diesem Schluss sei die US-Regierung anhand von Geheimdienstinformationen gekommen, berichteten mehrere US-Medien am Dienstag übereinstimmend unter Berufung auf hochrangige Regierungsmitarbeiter.

Bei dem Anschlag, der sich während des Abzugs des US-Militärs aus Afghanistan ereignete, waren mehr als 170 Afghanen und 13 US-Soldaten getötet worden. Weiterlesen

Hoffnung auf Waffenruhe im Sudan – UN-Sicherheitsrat berät

Khartum (dpa) – Im von tagelangen Kämpfen erschütterten Sudan ist um Mitternacht eine Waffenruhe zwischen den beiden Konfliktparteien in Kraft getreten. Berichte über größere Gefechte gab es in der Nacht zu Dienstag zunächst nicht, aufgrund jüngster Erfahrungen herrschte jedoch Skepsis, ob die Feuerpause wirklich hält. Der UN-Sicherheitsrat will in einer Dringlichkeitssitzung erneut über die Lage im Sudan beraten – Diplomatenkreisen zufolge wahrscheinlich in öffentlicher Runde am Abend gegen 21:00 Uhr (MESZ).

US-Außenminister Antony Blinken hatte gestern darüber informiert, dass sich die sudanesischen Streitkräfte und die mit ihnen rivalisierenden paramilitärischen Einheiten (Rapid Support Forces, RSF) darauf geeinigt hätten, ab Mitternacht für 72 Stunden eine landesweite Waffenruhe einzuhalten. Die RSF bestätigten die Feuerpause und kündigten die Einrichtung humanitärer Korridore an, um Zivilisten Zugang zu ärztlicher Versorgung und Schutzzonen zu ermöglichen sowie die Evakuierung ausländischer Diplomaten zu unterstützen. Weiterlesen

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