Das große Familienevent und seine Fans sind zurück

ADAC Truck-Grand-Prix 2022, Goodyear FIA European Truck Racing Championship

Nürburgring. Drei Tage Sonne pur, ein abwechslungsreiches Rennprogramm mit insgesamt zehn Rennen an drei Tagen, prall gefüllte Truckercamps und Tribünen und tolle Stimmung im für alle offenen Fahrerlager und den Attraktionen im Industriepark: Zwei Jahre mussten Fans und Teilnehmer auf die 35. Auflage des Internationalen ADAC Truck-Grand-Prix warten. Und sie wurden für ihr Warten belohnt.

„Die gelungene Mischung aus Motorsport, Musik und Messe der Nutzfahrzeugbranche, gepaart mit familienfreundlichen Eintrittspreisen kommt bei den Besuchern an“, zog denn auch der Vorsitzende des ADAC Mittelrhein e.V., Rudi Speich, ein positives Fazit.

Denn nur hier kommen die Fans mit ihren Idolen so hautnah in Kontakt. Traditionell schauen auch immer viele Familien vorbei, deren Kinder sich in der „Family Event Area“ auf Hüpfburgen und Rutschen sowie beim Kistenklettern, Glücksrad und beim Bullenreiten austoben.

Der Motorsport kämpft derzeit mit dem Ruf, in die Welt des Klimawandels und der berechtigten Forderung nach Nachhaltigkeit nicht mehr zu passen. Das dies nicht so ist, zeigt gerade der Truck-Rennsport. Auf Drängen der ETRA, einer Tochtergesellschaft des ADAC Mittelrhein e.V., die Truckracing europaweit vermarktet, wurde im Rahmen der FIA-Kommission in diesem Jahr eine Nachhaltigkeitsarbeitsgruppe eingeführt, um weitere Aktivitäten zu koordinieren, voranzutreiben und umzusetzen. Dadurch stimmte das FIA World Motorsport Council, das höchste Gremium des Weltverbandes, der Reglementänderung zu, ab 2023 elektrische und hybride Renntrucks im Startfeld der Europameisterschaft zuzulassen. Bereits 2021 wurde die Serie von den Vereinten Nationen in ihr Programm UN Sport for Climate Action offiziell aufgenommen. Und als erste FIA Serie überhaupt, haben die Truckracer auf einen Kraftstoff umgestellt, der vollständig aus erneuerbaren Rohstoffen stammt. Erstmals bereicherte auch ein Innovation-Camp den Industriepark am Wochenende und ein hochkarätig besetzter Innovation-Talk befasste sich mit einer ökologischeren Zukunft des Motorsports.

Einer der Schwerpunkte des Wochenendes waren die Rennen der Goodyear-FIA-ETRC-Rennen, den Läufen zur Truck-Europameisterschaft. Pech hatte hier der Weißenthurmer Sascha Lenz, der in der Gesamtwertung auf Platz 2 liegend, angereist war. Im ersten Rennen am Samstag schied er auf Platz 4 liegend mit einem technischen Defekt aus. Der Ungar Norbert Kiss gewann und baute schon hier die Führung in der EM-Wertung aus. Im zweiten Rennen des Tages, in dem die ersten zehn des ersten Rennens in umgekehrter Reihenfolge starten, sicherte sich Rookie Lukas Hahn seinen ersten Sieg im Rahmen der Serie.

Für Sascha Lenz begann das erste Rennen des Sonntags mit einem riesigen Schrecken, denn sein Truck wollte, aufgrund eines Batteriedefekts, in der Startaufstellung nicht anspringen. Glücklicherweise überlegte es sich das Aggregat noch vor dem Erlöschen der Startampel anders und so konnte sich der Lokalmatador mit dem von der Poleposition gestarteten Jochen Hahn ein packendes Rennen liefern. Im Ziel hieß der Sieger Jochen Hahn, gefolgt von Sascha Lenz und Antonio Albacete.

Dank einer großartigen Leistung in Rennen drei startete Jamie Anderson von der Pole Position in Rennen vier. Er kam schnell von der Linie weg, verteidigte seine Position vor dem angreifenden Téo Calvet und hielt die Führung in der ersten Runde.

Die ebenfalls großartig gestartete Steffi Halm war ihm in der Anfangsphase dicht auf den Fersen, ein Überholen war aber nicht möglich.

Norbert Kiss zeigte sich in gewohnter Form, kämpfte sich durch das Feld und zog drei Runden vor Schluss an Halm vorbei auf den zweiten Platz. Er konnte letztlich aber den Rückstand von vier Sekunden nicht aufholen. Die Ziellinie passierte Anderson vor Kiss und Halm.

Gut angekommen sind auch vier Rennen zur französischen Meisterschaft, die erstmals komplett beim ADAC Truck-Grand-Prix zu Gast waren. Und es wehte ein Hauch von LeMans über den Nürburgring. Im Rahmen des Prototype-Cup Germany wurden am Samstag und Sonntag jeweils einstündige Rennen in der LMP3-Klasse ausgetragen. Sehr zur Freude auch der kleinen Fans, die an den schnellen „flachen Flundern“ sichtlich Spaß hatten.

Der ADAC Truck-Grand-Prix gehört zu den größten Nutzfahrzeugmessen in Deutschland. Damit erweist er sich nicht nur als Zuschauermagnet, sondern ist für Spediteure, Logistiker, Transportunternehmer und Lkw-Fahrer ein wichtiger Branchentreff. Und sie erlebte bei dem tollen Sommerwetter einen Riesenandrang der vielen Besucher.

Das gemeinsame TruckSymposium von ADAC Mittelrhein e.V. und TÜV Rheinland beschäftigte sich in seiner 15. Auflage mit dem Thema „Fahrerinnen, Antriebswende, Infrastruktur – Epochale Herausforderungen für Güterverkehr und Logistik“. Alle Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, um den Parkplatzmangel für LKW auf Autobahnen zu mindern, lautete eine der sechs Kernforderungen der Fachtagung die erstmals von Professor Dr. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, moderiert wurde, an die Politik und Verwaltung. Nach Ansicht der Experten vor Ort werde sich der Fahrermangel in der Transportbranche von derzeit 80.000 offenen Stellen auf geschätzt 160.000 im Jahr 2030 verdoppeln. Hier bedürfe es unter anderem einer strategischeren Planung und der Unterstützung deutscher Unternehmer, bei der Anwerbung ausländischer Fachkräfte.

Unter dem beim spektakulären Feuerwerk in der Müllenbachschleife hell erleuchteten Motto „Ihr seid wieder da “ mit einem Herz dahinter, spielten in der Müllenbachschleife am Freitag und Samstag Countrygrößen wie Tom Astor und Truck Stop auf.

Ja, sie war wieder da, die große Truck-Grand-Prix-Familie. Dies unterstreichen auch die Besucherzahlen. Allein am Samstag pilgerten 41.000 Fans an den Ring (Sonntag 31.000, Freitag 25.000).

Fazit: Es war ein von vielen ersehntes und gelungenes Comeback der vielleicht vielseitigsten Veranstaltung am Nürburgring.

 

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