Herbert Willems aus Oberscheidweiler – Professor und hoher Richter in NRW

Gehört das Anlegen von Uniform und Ausrüstung zur Arbeitszeit der Polizeibeamten? Kann ein Kriminalbeamter eine Nebentätigkeitsgenehmigung für die gut bezahlte Mitwirkung an einer Fernsehserie verlangen? Darf sichtbar tätowierten Bewerbern die Einstellung in den Polizeidienst verweigert werden? Müssen Lehrer die im Unterricht verwendeten Schulbücher für sich auf eigene Kosten anschaffen? Dürfen Frauen bei Beförderungen auch dann bevorzugt werden, wenn männliche Mitbewerber ein wenig besser qualifiziert sind? Können Lehrer mit Korrekturfächern eine Entlastung bei den Pflichtstunden erwarten? An solche Probleme erinnert sich Prof. Dr. Herbert Willems, der als Vorsitzender Richter am Oberverwaltungsgericht Münster immer wieder über Grundsatzfragen von allgemeinem Interesse zu entscheiden hatte. „Öffentliches Dienstrecht ist 20 Jahre mein beruflicher Schwerpunkt gewesen“, berichtet er. Gezählt hat er sie nie, aber es werden wohl tausende Entscheidungen gewesen sein, häufig richtungweisend für noch weit mehr Fälle in den behördlichen und gerichtlichen Vorinstanzen.

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Geboren ist Herbert Willems 1951 in der Eifel, im 200-Seelen-Dorf Oberscheidweiler. Dass aus dem Sohn des Gastwirts Gregor Willems und seiner Frau Hedwig der Vorsitzende eines Berufungssenats werden würde, stand damals noch in den Sternen. Eigentlich hätte er den elterlichen Betrieb in Oberscheidweiler übernehmen sollen, das „Gasthaus zur Post“ samt Lebensmittelladen und Poststelle. Doch es kam anders. Wie alle Jungs war auch er Messdiener, und der Pfarrer setzte sich dafür ein, dass er das Gymnasium in Wittlich besuchen durfte.

Mit dem Abi in der Tasche verließ er 1971 das Cusanus-Gymnasium, um sich an der damals ganz neuen Ruhr-Uni Bochum in Jura und Geschichte einzuschreiben. Vom gesparten „Kommuniongeld“ kaufte er sich einen altersschwachen R4, mietete ein Zimmer im Studentenheim und war fortan nur noch gelegentlich am Wochenende daheim.

1976 legte er die erste juristische Staatsprüfung mit Bestnote ab, danach gab`s ein kurzes Gastspiel in der Heimat als Referendar beim Landgericht und der Staatsanwaltschaft Trier. Der Liebe wegen zog es ihn zurück nach NRW, wo er nach wiederum exzellenter zweiter Staatsprüfung seine Frau Ute heiratete.

Am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen begann 1979 seine Richterlaufbahn, die ihn sehr bald zum Oberverwaltungsgericht Münster führte. Dort hatte er seit 1994 als Vorsitzender Richter und oberster Landesrichter oft letztinstanzlich Recht zu sprechen, zunächst im Ausländerrecht, später in den erwähnten Beamten- und Disziplinarangelegenheiten.

Darüber hinaus nahm er 20 Jahre lang weitere Richterämter wahr, u. a. als Vorsitzender der Landesberufsgerichte für Architekten, Stadtplaner und Ingenieure und des Landesberufsgerichts für Heilberufe sowie als stellvertretender Vorsitzender des Dienstgerichtshofes beim Oberlandesgericht Hamm.

Daneben war er viele Jahre an verschiedenen Universitäten tätig, darunter der Universität Münster, die ihn 2010 zum Honorarprofessor bestellte. Hinzu kamen zahlreiche Vorträge, einmal sogar vor einer Delegation aus China, die Aufgaben als Vorsitzender einer Prüfungskommission in der zweiten juristischen Staatsprüfung, eine Dozententätigkeit bei der Rechtsanwaltskammer in der Anwaltsfortbildung und die Mitarbeit im Justizministerium als Mitglied des Präsidialrats.

2017 kamen der Ruhestand im Richteramt und mit ihm eine neue Herausforderung: Seit Anfang 2018 ist Professor Willems für die Luther Rechtsanwaltsgesellschaft tätig, eine deutsche Großkanzlei mit Standorten im In- und Ausland.

Bleibt da Zeit für Freizeit und Besuche im Elternhaus in Oberscheidweiler, das auch heute noch im Familienbesitz ist? „Leider nicht so oft, wie ich es möchte“, sagt er. Seinen beiden erwachsenen Kindern und ihren Partnern hat er die Eifel schmackhaft gemacht. Und auch einigen seiner Richterkollegen hat er das Dorf und die weitläufigen Spazierwege rund um Oberscheidweiler nahe bringen können. „Ich finde es wunderbar, dass sich die touristische Infrastruktur in punkto Ferienwohnungen und Wanderwege durch das große Engagement vor Ort so schön entwickelt hat“.

Ansonsten habe sich manches verändert gegenüber früher, viele Menschen seien zu- und einige weggezogen. „Auch auf dem Dorf herrschen heute ganz andere Lebensverhältnisse“. Geblieben ist die schöne Natur. Und so darf für ihn sein Lieblingsspaziergang nie fehlen: zur Oberscheidweiler Mühle, dann am Fuße des Mühlenbergs hinein ins Alfbachtal bis zur Hontheimer Mühle und über Niederscheidweiler – mit einer kleinen Visite am Grab der Eltern – zurück nach Oberscheidweiler.

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