Florian Feltes aus Eisenschmitt Deep-Tech-Unternehmer und Professor für Digital Leadership

Die XU Exponential University of Applied Sciences in Potsdam ist die erste deutsche Hoch­schule, deren Fokus ausschließlich auf Digitalisierung und Technologie liegt. Studiengänge wie „Digital Business“ oder „Digital Transformation Management“ illustrieren, dass es der jungen Uni darum geht, ihre Absolventen auf Top-Qualifizierung und Führungspositionen in der digital geprägten Zukunft vorzu­bereiten. Der 1985 geborene Florian Feltes lehrt an dieser jungen Hochschule seit 2019 als Professor für Digital Leadership.

Florian Feltes aus Eisenschmitt

Wer das durch Clara Viebig bekannt gewordene Südeifeldorf Eisenschmitt im beschaulichen Salmtal mit seinen nur rund 300 Einwohnern kennt, wird es kaum mit Digital Leadership und Deep-Tech in Verbindung bringen. Der Weg des dort aufgewachsenen Digital-Experten Feltes führte in der Tat zunächst in eine andere Richtung. Nach dem Besuch der Realschule in Wittlich – eine auch aus seiner heutigen Sicht nützliche Erfahrung – wechselte er zur Oberstufe auf das Cusanus-Gymnasium. Er sei gern zur Schule gegangen, erinnert sich Feltes, weil er es mag, mit Menschen zusammen zu sein, und die Schulen ihm mehr Abwechslung boten als das allzu ruhige Dorfleben. Mit solch positiven Schulerfahrungen war es kein Wunder, dass er nach dem Abitur (2005) zunächst aufs Lehramt studierte. Warum entschied er sich nach dem 2. Staatsexamen, die Berufsspur zu wechseln und sogar die Sicherheit einer Verbeamtung auszuschlagen? Ihm missfielen die aus seiner Sicht allzu starren Grenzen des herrschenden Schulsystems, dessen Strukturen und Hierarchien festgefahren scheinen und wo neuen Entwicklungen zu wenig Raum gelassen werde.

Konsequent wechselte er in die freie Wirtschaft und fokussierte sich auf Forschungsarbeit an der Universität Luxemburg. Feltes untersuchte in seiner Dissertation den Einfluss von Digitalisierung auf das Führungsverhalten der sogenannten „Generation Y“ (Jahrgänge von ca. 1980-1999), der er selbst angehört. Für ihn steht fest, dass sich aufgrund technologischen Fortschritts und veränderter Einstellungen dieser zunehmend in Führungspositionen aufrückenden Generation die Arbeits- und Führungskultur in Unternehmen ändern muss. Sein Augenmerk richtet sich auch schon auf die nachfolgende Generation Z, für die das Leben in einer völlig digitalisierten Welt selbstverständlich ist. Feltes will früh erfassen, welche Zukunftsgestaltung von dieser Generation zu erwarten ist und wie sich Wirtschaft und Gesellschaft am besten darauf einstellen können.

Als Auszeichnung konnte es der damalige Researcher in den Jahren 2014 und 2015 verbuchen, dass er beim Wettbewerb um den begehrten „Wings of Excellence“ Preis beim St. Gallen Symposium unter mehr als 1000 Bewerbern zweimal einen Top Ten Platz erreichte. Vor einer Jury aus Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern präsentierte er seinen Beitrag „Investing in small countries’ future through exceptional education”. Darin ging er der Frage nach, wie durch neue Wege in der Bildung das Potenzial kleinerer Staaten besser erschlossen werden kann. In den Folgejahren war Feltes an der Cologne Business School sowie an der Digital Creative Business School Hyper Island (Stockholm & Manchester) aktiv.

Die Themen Digital Leadership und New Work stehen im Zentrum zahlreicher Publikationen und Vorträge u.a. in DAX-Konzernen, Universitäten und internationalen Organisationen und Podcasts, die Feltes mittlerweile als gefragten Experten ausweisen. Seine progressive Grundeinstellung bei diesem Themenfeld zeigt sich exemplarisch im Titel und Inhalt seines Buches: „Revolution? Ja, bitte!: Wenn Old-School-Führung auf New-Work-Leadership trifft“ (mit Andreas Buhr, Vorwort von Prof. Hermann Simon, 2018).

2018 gründete Dr. Feltes zusammen mit Dr. Marcus Heidbrink das Deep-Tech-Unternehmen Zortify (zortify.com; Luxemburg/Köln), das mithilfe fortschrittlichster Künstlicher Intelligenz (KI) und neu entwickelter Algorithmen primär Unternehmen hilft, bessere und intelligentere Entscheidungen zu treffen. Laut Financial Times gilt Zortify als eines der Tech-Unternehmen, die die Zukunft nicht nur von Luxemburg schon heute prägen. Unlängst wurde mithilfe der Technologie von Zortify eine der weltweit größten Studien zum Thema „Narzissmus in Führungsetagen“ erstellt, die als Titelstory im Harvard Business Manager (05/2021) publiziert wurde. Die eingesetzten Algorithmen basieren auf den neuesten Forschungserkenntnissen des internationalen, diversen Teams (12 Nationalitäten, 60% Frauen) von Zortify und sind in der Lage, Texte in ihrer Bedeutung zu analysieren und in Informationen zu übersetzen, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind. Für die Forschung und Entwicklung u.a. mit Universitäts- und Industriepartnern hat Zortify ein eigenes Research Institute gegründet und vom Wirtschaftsministerium akkreditieren lassen. Die von Zortify entwickelte Technologie wird heute von Investoren, Personal­entscheidern und Innovationsabteilungen eingesetzt.

Wie bedeutsam für unser aller Leben das Verarbeiten und Verstehen von Sprache und Daten ist, zeigt sich sicherlich noch stärker in der Zukunft. Dass aber schon jetzt die Arbeiten von Florian Feltes und seinem Team beachtliche Impulse produzieren, ist unverkennbar.

Verfasser: Gregor Brand

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