Elisabeth Schilling aus Wittlich – Tänzerin und Choreografin

„Ich würde nur an einen Gott glauben, der zu tanzen verstünde“. Rund 100 Jahre liegen zwischen diesem provokanten Satz des Philosophen Nietzsche und der Geburt Elisabeth Schillings 1988 in Wittlich. Als Tänzerin und Choreografin gehört Schilling mittlerweile zu den beachtenswertesten Persönlichkeiten des zeitgenössischen Tanzes in Europa.  

Der Künstlerin scheinen besondere Begabung und Neigung zum Tanz gleichsam in die Wiege gelegt worden zu sein. Ihre Mutter, die Rechtsanwältin Hildegard Schilling, erinnert sich daran, dass Elisabeth schon tanzte, als sie noch kaum laufen konnte. Elisabeth durfte sich einem privaten Kinderballett anschließen und war sich schon als junges Mädchen ihrer bleibenden Liebe zum Tanzen vollkommen sicher. Bereits als 12-Jährige spürte sie genau, dass die Welt des künstlerischen Tanzes später ihr Lebensinhalt und Beruf werden soll. Nach den Schuljahren auf dem heimischen Cusanus-Gymnasium wechselte sie zur Maria-Ward Schule in Mainz, um gleichzeitig auf dem renommierten Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt Ballett studieren zu können. Nach dem Abitur setzte sie ihre anspruchsvolle Ausbildung in London fort. Zunächst am Trinity Laban Conservatoire of Music and Dance, einer der weltbesten Einrichtungen auf diesem Gebiet, und danach an der London Contemporary Dance School. Nach erfolgreichem Abschluss (Master of Arts) startete sie eine eindrucksvolle internationale Karriere. Tanzproduktionen in Skandinavien, Großbritannien und Mittel­europa führten sie mit Größen des zeitgenössischen Tanzes aus unterschiedlichen Generationen wie Fleur Darkin oder Rosemary Butcher zusammen. Unter den Tanz­kompanien, mit denen sie auftrat, findet man klangvolle Namen der internationalen Tanzkunstszene ebenso wie bei den beteiligten Institutionen.

Um ihre künstlerischen Ideen und ihre Tanzphilosophie besser umsetzen zu können, gründete Schilling 2016 in Luxemburg ihre eigene Kompanie, mit der sie seither eine eindrucksvolle Produktivität und Aktivität entwickelt. Auf Tourneen quer durch Europa gab das Tanzkunst-Team um Elisabeth Schilling bislang rund 200 Vorstellungen in etwa 20 Ländern. Man kann nur ahnen, wieviel Energie, Arbeit und Enthusiasmus hinter dieser Leistung steht. Schillings Kompanie reproduziert kein starres Programm, sondern stellt sich bewusst auf die unterschiedlichen Auftrittsorte mit ihrem jeweils speziellen Publikum ein. Zu der trainingsaufwändigen tänzerischen Performance kommt bei der Kompanieleiterin Schilling u. a. hinzu, dass ihre Projekte von intensiver Recherche begleitet werden. Ihre spürbare Leidenschaft für die Kunstform Zeitgenössischer Tanz schließt profundes Wissen über dessen historische Bezüge und geistige Grundlagen ein.

Im vergangenen Jahrzehnt trat neben der Tänzerin Elisabeth Schilling zunehmend die Choreografin Schilling ins Rampenlicht. Mit eigenen Choreografien und Tanzkunstprojekten ist sie europaweit an namhaften Aufführungsorten präsent. Zu ihren bekanntesten Tanzkunstkreationen gehören SIXFOLD (2017) und FELT. Ihre aktuelle transdisziplinäre Arbeit „HEAR EYES MOVE. Dances with Ligeti“ ist eine choreografische Interpretation von Klavier-Etüden des ungarischen Komponisten György Ligeti (1923-2006), dessen Musik sie sehr schätzt.

Auf die Herausforderungen der Coronakrise, die viele Menschen gerade im Bereich der Kunst teilweise vor existenzielle Probleme stellte, reagierte Schilling mit einer höchst kreativen Idee. Sie konzipierte das Tanzstück „Invisible Dances: Art in & around Lockdown“, mit dem es ihr gelingt, öffentliche Tanzkunst auch ohne Bühne und anwesendes Publikum zu realisieren. Bei diesem Projekt finden nachts in unterschiedlichen Städten – von Prüm bis Kapstadt – unangekündigte Tanzaufführungen statt, bei denen die Tänzerinnen und Tänzer von Spurenlegern („Tracern“) begleitet werden, die mit Sprühkreide die Tanzbewegungen markieren. Am hellen Tag entdecken dann die überraschten Menschen, dass sich nachts Ungewöhnliches in ihrer Stadt zugetragen hat. Mittels Videodokumentationen, Schildern und Medienarbeit werden diese Aufführungen zu Ereignissen mit vielfältigen Reaktionen eines vorher nicht erfassbaren Publikums. Das neuartige Projekt mit seinen Interaktionen zwischen Tanz und sonstigen Kunstformen, mit seiner Organisationsarbeit und seinem sowohl lokalen als auch globalen Ansatz repräsentiert beispielhaft die Bandbreite des schillingschen Arbeitens.

Zu diesem weiten Tätigkeitsfeld gehören nicht zuletzt auch intensive tanzpädagogische Aktivitäten. Elisabeth Schilling bietet in ihrer Eifelheimat und international Kurse und Workshops an, in denen sie tanzinteressierte Amateure, insbesondere auch Kinder, sowie professionelle Tänzerinnen und Tänzer unterrichtet. Darüber, wie auch über ihr Schaffen insgesamt, informieren ihre sehenswerte Homepage (www.elisabethschilling.com) und andere Seiten im Netz (z. B. YouTube). Von 2021 bis 2023 wird die mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Wittlicherin als „Artist in Residence“ im TRIFOLION Echternach die Kunstform des zeitgenössischen Tanzes mit neuen Ideen präsentieren und weiterentwickeln. Jüngstes Zeichen der enormen Anerkennung, die sie sich speziell in Luxemburg erworben hat, ist ihre ehrenvolle Berufung als Associate Artist für vier Jahre bei den renommierten beiden Häusern der Théâtres de la Ville de Luxembourg.

Verfasser: Gregor Brand

 

 

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