Warum hat das Land vor dem Flughafen-Verkauf noch schnell den Tanklager-Betrieb am Hahn übernommen?

Hahn. Wäre dem Flughafen Hahn im wahrsten Sinne des Wortes bald der Sprit ausgegangen und somit ein regelmäßiger Flugbetrieb unmöglich geworden? Ende Mai wurde bekannt, dass der Flughafen Frankfurt-Hahn die Tanklager-Organisation an seinem Standort restrukturiert hat. Der Flughafen Hahn, also das Land,  hat eine Tochterfirma gegründet, die den Betrieb des Tanklagers übernimmt. Mit dem neuen Unternehmen „Jet Fuel Hahn“ sollen durch Synergien mit der Muttergesellschaft Kosten gespart und die Effizienz gesteigert werden, hieß es in der Presseerklärung Ende Mai. Der Flughafen Hahn habe sich dafür entschieden, den Betrieb des Tanklagers in die eigenen Hände zu nehmen. Warum das so ist, wurde nicht gesagt. Die nun gegründete Tochtergesellschaft „Jet Fuel Hahn“ wird künftig für die Logistik des Kerosinlagers verantwortlich sein, hieß es weiter.

„Wir haben uns dafür entschieden, die Geschäfte von dem bisherigen Betreiber Shell/BP zu übernehmen“, wurde Roger Scheifele, neuer Geschäftsführer des neuen Unternehmens Jet Fuel Hahn in der Pressmeldung zitiert. Der Abteilungsleiter Vertrieb am Flughafen Frankfurt-Hahn hat die Leitung der Tochterfirma im Nebenamt übernommen. Ob es sich um eine freie unternehmerische Entscheidung gehandelt hat, bestehen ernsthafte Zweifel.  Die Fakten deuten eher darauf hin, dass sich die ehemaligen Betreiber Shell und BP bereits 2015 entschieden haben, das Tanklager am Hahn ab 2016 nicht weiter unterhalten zu wollen.  Die öffentliche Ausschreibung  datiert auf den 02.09.2015. Mit dieser Ausschreibung wurde ein neuer Betreiber gesucht, der das Tanklager ab dem 01.01.2016 übernehmen sollte.

Offensichtlich war genau diese Ausschreibung erfolglos. Ein geeigneter Nachfolgebetreiber für Shell und BP hat sich nicht finden lassen. Damit der laufende Betrieb am Flughafen Hahn sichergestellt ist,  musste das Land sozusagen gezwungenermaßen, eine eigene Betankungsgesellschaft gründen.

Das Tanklager am Flughafen Frankfurt-Hahn verfügt über ein Fassungsvermögen von 1,2 Millionen Litern. „Wir sind als zentrale Infrastruktur das Bindeglied zwischen der Anlieferung des Kerosins und der Betankung am Flieger“, wird Scheifele zitiert. Die Anlieferung erfolge weiterhin durch die Mineralölgesellschaften, die Betankung erfolgt weiterhin über die Firma RAS, ebenfalls langjähriger Partner am Standort. „In unserer Funktion als Umschlagplatz für das Kerosin können wir mit der neu gegründeten Tochterfirma in Zusammenarbeit mit dem Flughafen Synergien nutzen und die Kosten langfristig senken“, wird Scheifele zitiert. Damit sei die Gründung des neuen Unternehmens „Jet Fuel Hahn“ ein weiterer Eckpfeiler des Sanierungsprogramms am Hahn, mit dem das Jahresergebnis durch eine effizientere Organisation verbessert werden könne.

Auch an der Tatsächlichkeit der Aussage: „In unserer Funktion als Umschlagplatz für das Kerosin können wir mit der neu gegründeten Tochterfirma in Zusammenarbeit mit dem Flughafen Synergien nutzen und die Kosten langfristig senken“  von Scheifele sind Zweifel angebracht. Fakt ist,  Airlines wie z.B. Ryanair haben in der Regel Verträge mit einem Ölunternehmen für verschiedene Standorte und können entsprechend günstig ihr Kerosin beziehen. Für Flughäfen ist es deshalb wichtig, mehrere Treibstoffunternehmen vor Ort zu haben. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es für Fluggesellschaften die künftig am Hahn mit ihren Maschinen tanken müssen, teurer und der Standort unattraktiver wird.

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